Kalows Werder - Rund um den Mierendorffplatz


Einleitung

Es hat eine Weile gebraucht, bis ich den meiner Meinung nach passenden Namen für die Gegend gefunden habe, über die ich hier berichten möchte, bzw. die ich als meine Heimat bezeichne.
Es handelt sich um einen Bereich, der sich im Berliner Stadtteil Charlottenburg befindet. Ab diesem Jahr heißt der durch die Bezirksreform erweiterte Bezirk Charlottenburg-Wilmersdorf. Charlottenburg befindet sich in seinem Norden, Wilmersdorf im Süden des Bezirkes. Bislang waren beide Stadtteile etwa 150.000 Einwohner groß. Nun sind es zusammen 318.000 Einwohner. Das ist ungefähr die Größe der ehemaligen Hauptstadt der Bundesrepublik Deutschland: Bonn.

Die Begrenzung des Gebietes, das ich betrachten möchte, erfolgt komplett durch Gewässer, teils natürlich, teils künstlich. Schon immer vorhanden war der natürliche Flusslauf der Spree. Er begrenzt das Gebiet im Süden und Westen. Von Osten kommend fließt die Spree auf das Schloß Charlottenburg zu und schlägt dann einen Bogen nach Norden, wobei sich flussabwärts blickend auf der linken Seite der Schlosspark Charlottenburg befindet. Die Spree durchquert nahe des S-Bahnhof Jungfernheide die Ringbahn um anschließend wieder einen Bogen nach links (Westen) zu machen. Dort gibt es derzeit zwei durch eine Insel getrennte anschließend wieder zusammenkommende Fließwege. Einen (den südlichen) über ein Wehr, den anderen über die Charlottenburger Schleuse. Seit kurzem (Jahr 2000) wird jedoch an einer Begradigung des Wasserlaufes gearbeitet, um auch größeren Schiffen einen Weg zum Zentrum des neuen Berlins zu ermöglichen. Es wird also in zukunft eine neue Schleuse geben, welche unter der Stadtautobahn den alten Lauf als Sehne schneidet.
Das im Osten begrenzende Gewässer ist der Charlottenburger Verbindungskanal. Er verläuft fast von Nord nach Süd und verbindet das Gebiet um den Westhafen mit einer Art Gewässerkreuzung, wo er sich mit Spree und dem Landwehrkanal trifft.
Das letzte Stück Gewässer, das aus dem Gebiet endgültig eine Insel gemacht hat, war der nach dem 2. Weltkrieg geschaffene "Durchstich" des Westhafenkanals. Er verläuft im Norden in etwa von Ost (dem Westhafen) nach West was auch der Fließrichtung des Wassers entspricht. Parallel dazu verläuft nördlich davon die Stadtautobahn zwischen Seestraße und Jakob-Kaiser-Platz.

Mein Interesse rührt natürlich zum einen daher, dass ich hier schon immer gewohnt habe, zum anderen daher, dass ich den Wunsch hatte, mal ein bisschen Geschichts-Forschung zu einer Gegend zu betreiben, die nicht direkt im Brennpunkt geschichtlicher Ereignisse stand, weil sie im weltgeschichtlichen Sinne eher unbedeutend ist. Andererseits möchte ich auch nicht verleugnen, dass mir die nahe Lage zum geschichtlich bedeutendenderen Schloß Charlottenburg sehr zugute kam. In erster Linie war ich aber einfach neugierig, was hier, um mich herum, einmal gewesen sein mag, und was für Leute hier auf welche Art und Weise einst ihr Dasein bestritten haben.

Teil Zwei meiner geplanten Betrachtungen soll sich mit der Gegenwart befassen. Ich möchte mal genauer untersuchen, was sich in dieser Gegend so tut, wie sie sich aktuell entwickelt und was es hier für interessante Örtlichkeiten gibt. All dies geschieht nicht, weil ich das Gelände für besonders wichtig halte, sondern weil ich denke, daß sich das tägliche Leben, die alltägliche Geschichte des Einzelnen in einem kleineren Raum abspielt, in seiner unmittelbaren Umgebung. Wenn man also diesen Dingen mal nachgehen möchte, was wäre da naheliegender, als mit der eigenen Umgebung anzufangen?

Unsere Welt hat sich verändert. Zur Befriedigung der alltäglichen Bedürfnisse fährt man mit dem Auto oder den öffentlichen Verkehrsmitteln zum Einkaufszentrum. Der kleine Laden um die Ecke ist nicht mehr gefragt. Ich habe irgendwann festgestellt, daß ich eigentlich nur noch das kenne, was sich auf dem Weg zu U-Bahn, Post und dem nächsten Supermarkt befindet. Mit etwas Glück ist da ein Laden dabei, wo ich meine Zeitung kaufen kann. Ansonsten kaufe ich sie vermutlich auf einem Bahnhof. Es gibt auch viele Menschen, für die ein Geschäft, das nicht über einen Parkplatz verfügt, gar nicht existent ist. Das Problem trifft ja schließlich sogar kleine Supermärkte. Alles in allem schlechte Zeiten für Läden, die Massenwaren wie Getränke anbieten. Rund um den Mierendorffplatz findet man in bestimmt annähernd einem Drittel der Fensterscheiben zu Gewerberäumen das berühmte Schild "zu vermieten". Bei vielen Läden frage ich mich auch ernsthaft, ob die jeweiligen Inhaber sich nicht einmal die Mühe machen, die Geschäfte im näheren Umkreis zu betrachten. Was soll diese Schwemme von Speiselokalen der verschiedensten Sorten? Warum gibt es in der Kaiserin-Augusta-Allee im Abstand von ca. 200 Metern zwei Läden für Modelleisenbahnen? Warum liegen sich am Tegeler Weg nahe der Schloßbrücke je zwei Apotheken und Antiquitätenläden gegenüber? Friseure, Änderungsschneidereien und immer wieder Lokale, neu geöffnet, gerade wieder geschlossen usw.. Wer soll denn soviel essen gehen? Lebendig sehen allerdings die ebenfalls zahlreichen Zeitungs- und Tabakwarenläden aus, na ja, Läden, die halt alles mögliche im Angebot haben.
In jedem Falle finde ich es spannend, das mal genauer anzusehen.

Vielleicht findet sich ja der eine oder andere, der mit den Ergebnissen meiner "Untersuchungen" auch etwas anfangen kann. Es würde mich freuen.