Kalows Werder - Rund um den Mierendorffplatz


Geschichtliche Übersicht

Diese Übersicht basiert auf den von mir gefundenen alten Plänen und Karten in welchen so manches eingezeichnet ist, das in meiner Zeittabelle nicht escheint. Das ist deshalb so, weil vieles in den geschichtlichen Texten (die ich bisher lesen konnte) nicht erwähnt wird. Darum diese Übersicht basierend auf den Karten. Am liebsten würde ich diese Karten auch im Original mit zur Verfügung stellen. Aber das würde wohl urheberrechtliche Probleme geben. So belibt mir vorerst nur die hier vorliegende textuelle Interpretation. Ich plane allerdings, diese texte nach und nach durch meine eigenen gezeichneten Karten zu ergänzen.

Die ersten Karten, die es mir gelang, zu Kalows Werder zu finden, verrieten mir folgendes: Das Gebiet war lange nicht viel mehr, als feuchte Wiesen und Wald. Die ersten erwähnenswerten Gebäudekomplexe entstanden sicher im zusammenhang mit dem Schloß in der Nähe der Schlossbrücke, also im Süden von Kalows Werder. Sie gehörten zur Königlichen Meierei.
Vorher war es wohl einfach die Sumpf- und Wiesenlandschaft, welche einem Waldgebiet namens Jungfernheide vorgelagert war, das sich nach Norden bis zum heutigen Tegel hin erstreckte, nach Westen bis hin zur Havel.
Etwa in seiner Mitte wurde Kalows Werder durchflossen von einem Bach, der seinen Ursprung in der Nähe der Plötzensees hat und sich Pfefferluchgraben nennt. Pfefferluch war die Bezeichnung einer feuchten Landschaft, die sich nördlich zwischen dem Berlin-Spandauer Schiffahrtskanal und der späteren Berliner Ringbahn (etwa Bahnhof Jungfernheide) erstreckte. Ein letztes kleines Ende davon findet sich noch in einer kleinen Bucht am östliche Ende des Bonhoefferufers in einem kleinen Park.
Im Jahr 1857 gab es auf Kalows Werder laut einer von damals stammenden Karte die Eisenbahnlinie mit Wärterhäuschen, die Königliche Meierei, ein paar Wege und Feldstraßen, sowie im Südosten wiesen namens Kahls Werder, einen kleinen See und in der Nähe der Spree einen Streifen Namens "Spree-Port" der sich wohl heute noch in dem Straßennnamen "Am Spreebord" wiederfindet.
In einer weiteren Karte noch aus demselben Jahr (1857) findet man zwischen heutigem Bonhoefferufer und Tegeler Weg einen Holzmarkt, im Norden der heutigen Tauroggener Straße einen Hofendenberg. "Hof" wird sich dabei wohl auf die Höfe der Meierei im Süden bezogen haben. Mitten in den Kahl?s Werder Wiesen ist auch ein Wiesenberg verzeichnet.
Auf der nächsten Karte von 1874 ist vom Hofendenberg keine Rede mehr. Der Wiesenberg wird jedoch weiterhin erwähnt. Neu sind zwei Baumschulen in der Nähe der heutigen Brahestraße, ein ausgebaggertes Becken bei der Mündung des Pfefferluchs, welches in vorherigen Planungen schon angedeutet ist, sowie unbenannte Bauten beim späteren Schering-Gebiet und südlich der Ringbahn westlich der heutigen Lise-Meitner-Straße. Zu den eingezeichneten Wegen und Straßen möchte ich mich lieber nicht äußern, da hier und in der Folge auch oftmals Planungen eingetragen wurden, die häufig nicht verwirklicht wurden. In dieser Karte ist auch erstmals der Verbindungskanal im Osten des Areals dargestellt, mit einer Brücke mehr, als es sie nach Osten heute gibt. Noch heute existieren die Sickingenbrücke, die im Norden Gaußstr. und Sickingenstr. verbinden. Die im Süden folgende Brücke führt die Kaiserin-Augusta-Allee über den Kanal. Die dritte Brücke, so sie denn jemals wirklich existiert hat, führte die Quedlinburger Straße über den Kanal. Damals hatte die Straße allerdings noch die schlichte Nummer 15. Zu dieser Zeit und schon davor ist vermutlich das nun östlich des Cahrlottenburger Verbindungskanals gelegene zu Moabit gehörende Martinickenfelde für Kalows Werder bedeutsamer gewesen, als das südlich gelegene Charlottenburg.
Eine Karte von 1888 läßt vermuten, dass mit dem geplanten Hafen an der Pfefferluchmündung nie etwas geworden ist. Ansonsten tauchen (auch eher als Planung anzusehen), einigen heute noch gültigen Straßennamen auf, wie Keplerstr., Osnabrücker Str., Kaiserin-Augusta-Allee, Gaußstr., Tauroggener Str..
1902 gibt es nördlich der Gaußstr. Die Städtische Gas Anstalt. Der spätere Mierendorffplatz heißt hier noch Gustav-Adolf-Platz. Taueroggener Ecke heutige Mindener Str. befindet sich ein Straßenbahnhof, dort wo heute Kube sein Geschäft hat. Die Pfefferluchmündung sieht nun wieder aus, als sei sie zum Hafen ausgebaut. Aber ob ich das glauben soll? Außerdem gibt es einen Hinweis auf die Mierendorff-Schule und einen südlich davon gelegenen "Augusta-Stift". Auch die heutige Röntgenbrücke im Süden ist eingetragen.
1905 findet man das Landgericht am Tegeler Weg und einen Eintrag "Elektrizitätswerk" beim heutigen Kraftwerk Charlottenburg. Zudem findet man im Süden neben Schlossbrücke und Röntgenbrücke noch die Caprivibrücke und den Siemenssteg. Dafür existiert die Brücke in der Verlängerung der Straße 15 nicht mehr.
In den Benennungen von 1936 sind kaum noch unterschiede zu heute festzustellen. Der Mierendorffplatz heißt noch Gustav-Adolf-Platz. Das Bonhoefferufer trägt noch den Namen "Königin-Luise-Str.".
Daran ändert sich bis nach dem Krieg nicht viel. Dann bekommen auch Bonhoefferufer und Mierendorffplatz ihren heutigen Namen. Eine bis dahin bestehende Straße 20 geht im Kraftwerk Charlottenburg auf. Der Verbindungskanal im Norden wird gebaut.